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Eine Haller Erfolgsgeschichte:

Über zwei Jahrzehnte Konzerte im Sonnenhof

„Die kleinste Metropole der Welt“ hat sich Schwäbisch Hall schon genannt. Dass dies nicht nur ein aus Überheblichkeit oder gar Größenwahn geborener Ausspruch ist, sondern mit der Realität dieser liebenswerten, überaus lebendigen Kleinstadt zu tun hat, dafür bürgt unter anderem der Verweis auf die zwei „klassischen“ Konzertreihen, die es in dieser Stadt gibt: Neben der vor allem im Haller „Neubau“ residierenden Konzertgemeinde die nun schon über zwei Jahrzehnte bestehende Konzertreihe „Konzerte im Sonnenhof“.

Sophia Jaffé, Violine, Berlin

Peter Bruns, Violoncello, Dresden

Viele Skeptiker gab es, als sie 1988 gegründet wurde. Gibt es genügend Musikliebhaber, die sich der Pflege gediegener, anspruchsvoller Musik zuwenden? Es gab und es gibt sie! Dazu braucht es vor allem die Zähigkeit und Begeisterung der Gründerväter Rudolf Heller und Dr. Hermann Seilacher; man braucht einen Raum, der sich dafür eignet – und fand ihn in der akustisch in jeder Hinsicht überzeugenden „Arche“ des Sonnenhofes; man braucht einen Konzertflügel – und finanzierte ihn über zahllose Spenden von Musikliebhabern aus Hall und Umgebung. Und man braucht Musikbegeisterte, die gerne gute, anspruchsvolle, zugleich auch unterhaltsame Musik hören, – und die gibt es im Haller Raum, wie sich zeigte, in großer Zahl!

Duo imPuls, Stuttgart

Playel Trio, St. Petersburg

Ein fester Besucherstamm hat sich im Laufe der Jahre etabliert, die Zahl der Mitglieder des Fördervereines und der Bezieher von Abonnements hat sich kontinuierlich vergrößert, – auf jetzt über 150. Was ist das Besondere dieser Konzertreihe?

– Der Haller OB hat vor Jahren einmal die Sonnenhofkonzerte als die Konzertreihe mit der „persönlichen Note“ bezeichnet und damit wohl das Entscheidende genannt: es ist eine freundliche, sehr einladend-persönliche Atmosphäre, die vor und während eines Konzertes in der Arche herrscht und die Besucher untereinander und mit den musizierenden Künstlern verbindet.

– Dazu trägt die berühmte Konzertpause bei: ein angeregtes Plaudern und Flanieren im hinteren Teil der Arche, keiner steht allein da, jeder hat ein Glas Saft in der Hand, das von Haller Firmen gesponsert wird; es fällt schwer, die Gespräche beim Abdimmen des Lichtes zu beenden und wieder an seinen Platz zurückzukehren.

– Nicht zuletzt ist es das besondere Musikangebot, das die Konzerte in der Arche kennzeichnet: Zu „klassischen“ Konzerten haben sich von Anfang an und ohne alle Berührungsängste auch andere, sehr „unterhaltende“ Darbietungen gesellt, sei es nun Tango-Musik aus Argentinien. Salon-Musik der 20er Jahre des letzten Jahrhunderts, Klezmer und gar ein Konzert mit dem Titel „Sound of Love“ und Titeln von John Lennon und anderen, gesungen von ehemaligen Thomanern aus Leipzig.

Calmus Ensemble, Leipzig

Trio Parnassus, Stuttgart

Das die Konzertreihen – mit jährlich 8 Konzerten – Auszeichnende waren freilich die kammermusikalisch bestimmten Abende, meist mit jungen Künstlern, die über den Deutschen Musikrat und dessen Bundesauswahl verpflichtet werden konnten. Diese jungen Menschen, meist am Beginn einer verheißungsvollen Karriere, haben viele herausragenden Abende gestaltet und im Laufe der Jahre, nach erneuten Auftritten, so etwas wie ein persönliches Verhältnis zur Arche und den dortigen Zuhörern entwickelt. Besondere Höhepunkte bildeten kleinere Orchesterensembles wie das Württembergische Kammerorchester Heilbronn.

Württembergisches Kammerorchester, Heilbronn

Dirigent Ruben Gazarian

Solist Nils Mönkemeyer, Viola

Mit all dem gelang, was mancher bei der Gründung vor über 20 Jahren nicht für möglich gehalten hatte: die Reihe trägt sich, auch mit Hilfe ihrer Sponsoren und Förderer, finanziell und musste nicht nach wenigen Jahren wieder eingestellt werden: eine Erfolgsgeschichte, auf die man in Hall und seinem Umland mit Recht stolz ist!

Die Gründerväter haben sich inzwischen in den verdienten Ruhestand verabschiedet und einem neuen Vorstand (Heinz Schüle und Lahnor Adjei) Platz gemacht, der mit einem sehr engagierten Beirat auch weiterhin den Haller Musikfreunden viele schöne Konzertabende ermöglichen will.

(Text von Ernst Ulrich Schüle 2011, aktualisiert im Dezember 2013 und 2017)

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